Sternenmarsch zum Bürgerfest350 Gäste bei Einheitsfeier in Schlagbrügge / Wappen an Schlagsdorf überreicht
Schlagbrügge – Wer die
Einheit der Deutschen erleben möchte, der muss nach Schlagbrügge gehen. Dort
feierten am Sonnabend Schleswig-Holsteiner und Mecklenburger wenige Tage vor
dem historischen Datum den Fall der Mauer.
Volker
Bohlmann
 Im Lichterschein der Fackeln wanderten die Bürger nach Schlagbrügge. Fotos: Volker Bohlmann Im
Lichterschein der Fackeln fanden mehr als 350 Bürger beim Sternmarsch am
Sonnabend den Weg von Wietingsbek, Schlagsdorf und Groß Molzahn nach
Schlagbrügge. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer luden dort die Ämter
Lauenburgische Seen und Rehna zum grenzüberschreitenden Bürgerfest auf dem
Reithof Hagen ein. Die Freude über „das Fest des Miteinanders“, wie es Martin
Fischer, Amtsvorsteher Lauenburgische Seen treffend formulierte, war jedem
Besucher anzumerken. Eine Gedenkminute in Erinnerung an die historischen
Stunden vor 20 Jahren ermöglichten die Mitglieder der Mecklenburger Hornmusik
mit dem Spiel der Nationalhymne.
„Die
Grenzöffnung ist ein emotionales Erlebnis, das wir nicht vergessen“, so der
lauenburgische Kreispräsident Meinhard Füllner rückblickend auf das Jahr 1989.
Kurz, knackig und inhaltsreich seine Rede und die lobenden Worte: „Ich danke
den Akteuren der Einheit.“ Eine Anerkennung der Leistungen, die die Menschen im
Herbst 1989 im Osten erbrachten und ein Dank an jene Politiker, den es an
Visionen zur Einheit nicht mangelte.
Vor dem
Hintergrund der Wirtschaftskrise sollten die Ereignisse von einst Antrieb sein,
meint Füllner. Und: „Lassen sie uns wichtige Gemeinsamkeiten neu entdecken.“
Der Kultur-, Tourismus-, Natur und Wirtschaftsraum biete genügend Spielraum für
gemeinsame Aktivitäten.
Aus Sicht
von Festredner Robert Paeplow sei die Feierstunde am Reformationstag mehr als
passend: „Dieser Tag steht für Veränderung und Erneuerung, selbst in der
heutigen Zeit“. Der ehemalige Chef der Agentur für Arbeit in Gadebusch
berichtet von seinem Aufbruch am 1. Januar 1990 über die Grenze nach
Schlagsdorf, von Begegnungen mit Menschen, die heute längst Freunde sind. Und darüber,
was einzelne Menschen mit festem Willen im Sinne der Allgemeinheit leisten und
was sie in Form eines Wikingerschiffes zu Wasser brachten: Ein mit dem Verein
Alte Schule initiiertes Gemeinschaftsprojekt diesseits und jenseits der
Kreisgrenzen, um auf dem Arbeitsmarkt benachteiligten Jugendlichen neue
Perspektiven zu eröffnen. „Und das Schiff schwimmt heute noch“, so Paeplow.
Projekte die
ermutigen, neue Aufgaben anzugehen. Wohl nicht anders sahen es Stefan Becker,
Steffen Wramp und Horst Oschewski (Anm. d. Red.: Oschätzky), deren Engagement den Schlagsdorfern ein
eigenes Wappen ermöglichte. „Eine hervorragende Idee. Und der heutige Tag
könnte nicht passender für eine Übergabe sein“, sagt Gerhard Rappen,
Stellvertreter der Landrätin im Nordwesten. Er überreichte Schlagsdorf Bürgermeister
Ingo Melchin unter Applaus der Gäste die Urkunde des Innenministeriums.
Während im
Wappen das Kreuz mit Krone die Zugehörigkeit zum Bistum Ratzeburg symbolisiert,
stehe der Lindenzweig für die Gerichtslinde von Schlagsdorf und die vier
Blätter für je einen Ortsteil, so Melchin. Angesichts der Verdienste der
Gemeindewehr überreichte er den Mitgliedern erste Ärmelabzeichen mit dem neuen
Wappen.
Ein Abend
voller Symbolik, Worte des Lobes und im Sinne einer Bürgerfeier, wie sie nur
echte Freunde in gelebter Einheit begehen können.  Gerhard Rappen (r.) überreichte Ingo Melchin das Wappen.  Michael M. Schulz setzte auf Symbolik und feierte das Ende der Diktatur vor 20 Jahren. |